Presse
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Südkurier Singen 04.02.2012
Aufwärmen bei der Tafel
Stadt und Singener Tafel ergänzen sich, wenn es um die
Unterbringung und Versorgung von Obdachlosen geht.
Die Stadtoase der Seelsorgeeinheit
Singen hat in erster Linie ein offenes
Ohr für die Probleme der Menschen.
Es wird aber niemand abgewiesen,
der sich kurz aufwärmen will – eine
Möglichkeit zum Gespräch ergebe
sich allemal.
Sabine Tesche
Bei den derzeit eisigen Temperaturen ist niemand gern lange draußen.
Menschen ohne feste Bleibe sind von der Kältefront besonders betroffen
und müssen schauen, dass sie irgendwo unterkommen. Die Stadt Schaff-
hausen reagierte auf die Kältefront und bietet warme Unterkünfte für alle
an, berichtet das Schaffhauser Radio Munot. Drei Lokale sind so geöffnet,
dass Obdachlose praktisch nicht mehr im Freien sein müssen. Das Angebot
gilt bis Sonntag. Wenn es so kalt bleibt, wird es verlängert.
In Singen seien derzeit 30 Obdachlose in Notunterkünften untergebracht,
berichtete Axel Huber von der Pressestelle der Stadt. Die Zahl habe durch
den Kälteeinbruch aber nicht zugenommen. Die Stadt könne Obdachlosen
noch Unterkünfte anbieten, aber man stoße derzeit schon an seine Grenzen,
sagte Huber. Die Stadt kann Unterkunft bieten, die Singener Tafel steuert
das Essen bei. Obdachlose, die in den Notunterkünften untergebracht sind,
bekommen in der Tafel ein warmes Essen und können im Tafelladen einkaufen.
„Wenn jemand Hunger hat, bekommt er auch etwas“, erklärte Udo Engelhardt,
Vorsitzender der Singener Tafel. Es werde niemand abgewiesen, auch wenn er
nicht den entsprechenden Nachweis oder Gutscheine bringen kann.
Essensgutscheine gibt es bei der Stadtoase in der Singener Fußgängerzone,
die von der katholischen Seelsorgeeinheit betrieben wird. Die rund 30 ehren-
amtlichen Mitarbeiterinnen haben unter der Leitung von Schwester Leokadia
Ebel in erster Linie ein offenes Ohr für die Menschen, die das Gespräch suchen.
Es werde aber niemand abgewiesen, der sich aufwärmen und einen Tee trinken
will. „Wir sind für die Menschen da“, erklärten Renate Kroll und Doris Dimon.
Auch über das Wetter könne man ins Gespräch kommen. Die Essensgut-
scheine seien stark nachgefragt, auch bei deren Ausgabe ergebe sich die
Möglichkeit zum Gespräch. Die Frauen bieten Hilfe an oder vermitteln Wohn-
sitzlose zum Beispiel an den Jakobushof.
Udo Engelhardt hat die Erfahrung gemacht, dass Wohnsitzlose ihre festen
Routen haben und dass es sie nicht so sehr nach Singen, sondern mehr an
den See zieht. Allerdings waren vor kurzem drei Menschen in der Tafel, die
keine Bleibe hatten und wohl schon mehrere Nächte draußen verbracht hatten.
Die Zahl derjenigen, die zum Mittagstisch der Tafel oder zum Einkaufen in den
Tafelladen gehen, habe sich aufgrund der Kältefront nicht erhöht, es seien eher
andere Gruppen, die kommen. Viele ältere Bedürftige, die zum Beispiel auf
einen Rollator angewiesen sind, bleiben bei Eis und Schnee lieber zu Hause.
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Südkurier Singen 03.02.2012
Kochen für Bedürftige
Schule fürs Leben: Schüler bereiten das Essen in der Tafel zu.
Aktion Gastköche ist bei der Jugend angekommen
Geschnippeltes Gemüse in einer Waschwanne:
Diese Mengen von Essen sind eine ganz neue
Erfahrung für die Schüler, ihre Lehrerin Marina
Indlekofer (4. von links) und Jugendbegleiterin
Christine Kuppel (5. von links). Vöckt
Wenn fünf junge Menschen zwischen 13 und 15 Jahren und vier Erwachsene
in einer kleinen Küche herumwirbeln, dann gilt diesmal nicht das Sprichwort:
„Viele Köche verderben den Brei“. Bei den Mengen, die sie zubereiten, sind viele
Hände nötig. Es türmen sich kiloweise Nudeln, Hackfleisch, Gemüse, Salat und
Käse. Daraus werden 70 Portionen Spaghetti Bolognese mit gemischtem Salat
und Pudding zum Dessert. Die Schüler und ihre Betreuer schälen Karotten,
putzen Salat und rühren in riesigen Töpfen. Sie kochen aber nicht für Klassen-
kameraden, sondern für Bedürftige. In dieser Woche gab es zum ersten Mal die
Aktion Jugend kocht für die Tafel.
Die Jugendlichen sind Schüler der siebten, achten und neunten Klasse und besuchen
die Johann-Peter-Hebel-Schule. Sie haben dort im Fach Wirtschaft, Arbeit und
Gesundheit ohnehin ab der fünften Klasse Kochunterricht. Ihre Lehrerin Marina
Indlekofer hat auf Anfrage der Schulleitung die Gruppe zusammengestellt, die in
dieser Woche in der Tafel gekocht hat. „Ich habe die Schüler rausgenommen, die
tion deshalb auch gern wiederholen. Christine Kuppel fasst zusammen: „Sie
machen es freiwillig, sie haben Interesse am Kochen und sind gut darin.“ Die 15-
jährige Melody Bennardo fügt hinzu: „Wir machen es gern für die Leute und es
macht auch Spaß.“
Und nicht nur sie werden wieder dabei sein bei Jugend kocht für die Tafel. Udo
Engelhardt, Vorsitzender der Singener Tafel, hat bereits zwei weitere Jugend-
gruppen in petto, die sich zum Kochen angemeldet haben. „Das Kinderhaus und
die Wessenbergschule haben schon Termine abgemacht“, erzählt Engelhardt. Die
Aktion ist auch nicht auf Schulen beschränkt. Der Tafel-Vorsitzende zählt auf:
„Mitmachen können alle Kinder- und Jugendgruppen, wie zum Beispiel Pfadfinder,
Kindergärten, die Junge Union oder Jugendabteilungen von Sportvereinen. Wir
freuen uns über alle Angebote und sind sehr flexibel.“
Jugend wird bei dem Projekt großzügig verstanden und gilt bis zu einem Alter
von etwa 25 Jahren. Die Idee zu Jugend kocht für die Tafel entstand laut Engelhardt
durch seine Tätigkeit im Verein Kinderchancen. Am Runden Tisch zur Kinderarmut,
an dem auch Vertreter der Johann-Peter-Hebel-Schule teilnehmen, erzählte er
von der Aktion Kochen für die Tafel. Von der Schule kam dann der Vorschlag,
auch Schüler zu Gastköchen zu machen. „Hier können wir den Jugendlichen
mitteilen, dass es auch arme Menschen gibt. Das ist was ganz anderes als im
Gemeinschaftskundeunterricht“, erläutert Engelhardt den pädagogischen
Zusatznutzen. „Sie begegnen den bedürftigen Menschen auf Augenhöhe, das ist
viel näher, viel verbindender. Sie können Berührungsängste und Tabus abbauen.“
Außerdem bekommen die Teilnehmer ein Informationspaket über die Arbeit der
Tafel und die soziale Situation in Singen. Zum Kochen gehören auch das Planen
des Menüs, der Einkauf und die Kalkulation mit dem Budget. „Das sind mehrere
Lernprozesse“, resümiert der Tafel-Vorsitzende.
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Südkurier Singen 11.01.2012
Tafelgarten fährt Ernte ein
210 Kilogramm Tomaten, 253 Stück Schlangengurken und
56 Kilogramm Möhren – dies ist nur ein Auszug aus den
Ernteergebnissen des Tafelgartens aus dem vergangenen
Jahr. „Wir sind selbst überrascht über die Menge an Obst
und Gemüse“, erzählt Karin Wäschle, eine der Verantwort-
lichen im Tafelgarten.
Freuen sich nach einem erfolgreichen
Einstieg auf die nächste Saison im Singener Tafelgarten: Karin
Wäschle, Reinhold Imhäuser, Udo Engelhardt und Christian Himmel
(von links). Schneider
210 Kilogramm Tomaten, 253 Stück Schlangengurken und 56 Kilogramm
Möhren – dies ist nur ein Auszug aus den Ernteergebnissen des Tafelgartens
aus dem vergangenen Jahr. „Wir sind selbst überrascht über die Menge an
Obst und Gemüse“, erzählt Karin Wäschle, eine der Verantwortlichen im
Tafelgarten. Erst seit Anfang April bewirtschaftet der Tafelgarten, ein Projekt
der Singener AWO, das ehemalige Gelände der städtischen Gärtnerei und
zahlreiche Privatgärten, Streuobstwiesen und andere städtische Grünflächen.
Mehr als 30 Langzeitarbeitslose haben die Möglichkeit für sechs, beziehungs-
weise für neun Monate beim Tafelgarten mitzuarbeiten. Die erwirtschafteten
Produkte werden dann an den Tafel-Laden in Singen gespendet.
„Wir haben Arbeiten und Aufgaben für jeden“, sagt Reinhold Imhäuser, Leiter
des Tafelgartens. Je nach Leistungsfähigkeit und Können würden die Mitarbeiter
eingesetzt. Und manchmal wachsen sie sogar über sich hinaus. „Einige Teil-
nehmer entwickelten hier Fähigkeiten, von denen sie gar nicht geträumt hätten,
dass sie so was können“, erzählt Imhäuser nicht ohne Stolz. Vor allem bei der
Weiterverarbeitung der Produkte aus dem Tafelgarten – beispielsweise werden
die vielen Früchte und Beeren zu Fruchtaufstrich verkocht – hätten viele der
Langzeitarbeitslosen tollen Einsatz gezeigt.
Für Karin Wäschle sind diese Erfolge bei der Arbeit wichtig für die Wiedereinglie-
derung in den Arbeitsmarkt. „Wir stehen hier unter keinem Produktionsdruck,
dennoch haben wir sehr viel Obst und Gemüse geerntet“, lobt Wäschle. Die
Langzeitarbeitslosen werden dem Tafelgarten vom Jobcenter Singen vermittelt.
Während ihrer Tätigkeit bekommen sie Unterstützung bei der Stellensuche. Der
ein oder andere hat sogar während seiner Zeit beim Tafelgarten eine neue
Anstellung gefunden. „Es schmerzt einen schon, wenn fähige Mitarbeiter gehen,
aber es ist unser oberstes Ziel, ihnen zu einer festen Arbeitsstelle zu verhelfen“,
so Imhäuser.
Das Schöne an dem Tafelgarten sei, dass so viele Seiten gewinnen würden, erzählt
Karin Wäschle. Die Teilnehmer bekommen einen geregelten Tagesablauf, positive
Arbeitserlebnisse und viel Motivation. Aus der Bevölkerung habe es durchweg nur
gute Rückmeldungen gegeben, berichtet Udo Engelhard, Leiter der AWO Singen.
Auch bringe man im Tafelgarten den Teilnehmern einen vernünftigen Umgang mit
Lebensmitteln näher. „Wir kochen jeden Tag gemeinsam ein Mittagessen, haben
zu Weihnachten Plätzchen gebacken“, sagt Karin Wäschle. Vor allem würden die
Tafelgarten-Mitarbeiter lernen, wie man mit den Zutaten, die der Garten abwirft,
etwas Leckeres kocht. „Einmal erzählte eine Frau, ihren Kindern sei aufgefallen,
dass sie nun ganz anders und besser koche, seitdem sie bei uns ist“, erzählt Wäschle.
Obwohl der Tafelgarten viele tausende Quadratmeter bewirtschaftet, suchen die
Initiatoren weiter nach Gärten. „Wir wollen Flächen pflegen, die sonst brach liegen
würden“, sagt Imhäuser. Auch Udo Engelhardt wünscht sich, dass der Tafelgarten
zur festen Institution wird und lange Bestand hat. Auch möchten er und seine
Mitstreiter die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Jobcenter weiter
fortführen.
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Südkurier Singen 09.01.2012
Kiwanis-Club bringt nahrhafte Hilfe
Vor sieben Jahren war der Kiwanis-Club Hegau in der Weihnachts-
aktion des SÜDKURIER unter den ersten Gastköchen in der
Singener Tafelküche, seitdem kochen Mitglieder regelmäßig
Die „treuen Seelen“ vom Kiwanis-Club
Hegau kochen seit sieben Jahren regelmäßig im Tafel-Restaurants: Paul
Wrobel und Hans-Peter Rädle (von links). Rossner
Für Udo Engelhardt sind sie die treuesten Seelen, ihr Einsatz zeige ein
wahres inneres Anliegen. Und das soll auch so bleiben: „Wir sind da und
machen weiter, das haben sich die Kiwanis von Anfang an vorgenommen“,
versichert Paul Wrobel. Tätige Hilfe auch vor Ort sei ein Motto des Clubs.
Als Weihnachtsmenü wurden drei Gänge serviert, Chefkoch Paul Wrobel
weiß schon, was bei den Tafelgästen gut ankommt. Und er ist geübt. Das
Kochen hat er allein übernommen, zum Anrichten und Servieren steht ihm
jedes Mal Hans-Peter Rädle zur Seite, weitere Mitglieder springen spontan
ein. Im Laufe der sieben Jahre hat Paul Wrobel 84 Essen gekocht, aber er
will sich nicht hervortun: „Die anderen Mitglieder sind auch tätig, sie bringen
sich in anderen Projekten ein.“
Er kennt die Geschmäcker der Tafelgäste. „Gutbürgerlich kommt am
besten an“, weiß er. Eintopf sei der Renner und in Varianten kommt der
dann öfter auf den Tisch. Die Ideen für Gerichte gehen ihm auch nicht aus.
Entspannt erwarteten er und Hans-Peter Rädle die Tafelgäste zum Kiwanis-
Weihnachtsmenü, alles war fertig vorbereitet. Im Topf brodelte die Suppe
mit Einlage, aus der Backpfanne dufteten Hühnerkeulen mit Pilzen köstlich
aus der Soße, als Dessert gab es Stollen mit Zimtcreme. Paul Wrobel nimmt
Planung des Speiseplans und den Einkauf der Lebensmittel selbst in die Hand,
als Erster kommt er morgens in die Tafelküche und bereitet alles frisch zu.
Und in der Menge nicht nur für die rund 50 Tafelgäste berechnet. Der Kiwanis-
Club bezieht auch das weitere Umfeld der Singener Tafel mit ein. Wenn Paul
Wrobel kocht, dann kommen 75 bis 80 Gerichte aus der Küche. Die Anzahl
der Portionen ist so bemessen, dass auch die Lilie und Mitarbeiter im
Tafelladen mit verköstigt werden können.
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Südkurier Singen 29.12.2011
Sie schenken einen Tag lang Freude
Auf Initiative eines Singener Busunternehmens kamen Bedürftige
in den Genuss eines kostenlosen Aufenthalts in einem Spaßbad
am Titisee.
Badeparadies-Geschäftsleiter Jochen
Brugger, Christine Mayer, Udo Engelhardt
und Busfahrer Fritz Schuhmacher freuen
sich gemeinsam, den Kindern und Erwach-
senen der Singener Tafel ein gemeinsames
Weihnachtsgeschenk bereitet zu haben.
Joachim Hahne
Weihnachten, Fest der Liebe und Freude. Funkelnde Kinderaugen unterm
Weihnachtsbaum. So wurde das Christfest vielerorts im Schwarzwald,
Hegau und am Bodensee gefeiert. Doch nicht überall war und ist dies möglich.
Wenn das nötige Kleingeld fehlt, fällt der Gänsebraten aus, gibt es auch für die
Kinder nicht das erhoffte Geschenk. Vor allem Familien aus finanziell schwierigen
Verhältnissen können auch an Festtagen wie Weihnachten keine großen Sprünge
machen. Umso größer war die Freude bei einigen Kindern und Familien aus Singen.
Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Konstanz und die Singener Tafel hatten auf Initiative
von Christine Mayer von einem Singener Busunternehmen dafür gesorgt, dass
Weihnachten doch ein Fest der Freude wurde. Ein Gutschein für einen Tagesausflug
in das Badeparadies Titisee-Neustadt lag unter dem Baum der bedürftigen Menschen.
Am Mittwoch wurde die ehrenamtliche und freiwillige Aktion umgesetzt. Ausgerüstet
mit Lunch-Paketen einer Rielasinger Bäckerei ging es per Reisebus über den Hegau in
Richtung Schwarzwald. 45 Kinder und 15 Eltern waren mit den Betreuern und
Organisatoren vom Hohentwiel in den Hochschwarzwald gekommen. Drei Stunden
Abwechslung vom meist so tristen Alltag. Spaß und Unterhaltung im „Galaxy“
war angesagt.
Bereits im Vorjahr waren die Kinder und Erwachsenen zu einem Ausflug in den
Europapark eingeladen. In diesem Jahr hatte Christine Mayer die Idee zum Besuch
eines Freizeitbades. Doch zunächst kam von einer Freizeiteinrichtung am Bodensee
eine mehr oder weniger unfreundliche Absage. Nicht so im Hochschwarzwald. Den
kostenlosen Eintritt in das Spaßbad hatte Jochen Brugger, Geschäftsleiter des Bade-
paradieses ermöglicht. „Wir erhalten natürlich viele von diesen Anfragen, können längst
nicht alle ermöglichen. Für Kinder ist es aber schön an Weihnachten so etwas zumachen.
Es ist sicher kein alltägliches Erlebnis. Denn die Kinder kommen alle aus Familien mit
schwierigen Verhältnissen.“ Für die Kinder aus der Maggistadt war es nicht nur des
Wetters wegen ein traumhafter Tag. „Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk, ein
tolle Überraschung. Am besten hat mir die große Rutsche gefallen“, erzählten der neun-
jährige Semi und die zwölfjährige Selina vor der Rückfahrt an den Bodensee unisono.
Udo Engelhardt, Mitarbeiter der AWO und der Singener Tafel, dankte Jochen Brugger,
„dass das Badeparadies diese Aktion für die Bedürftigen trotz Hochbetrieb mit einem
kostenlosen Eintritt ermöglicht hat“. Und nach schönen, unbeschwerten Stunden im
Badeparadies ging es wieder in Richtung Heimat.
Doch damit nicht genug. Die Familie Seidel von einem Gasthaus in Rielasingen servierte
noch ein Abendessen samt Getränken. „Wie wir feststellen mussten, ist dies alles
keinesfalls selbstverständlich. Umso mehr gilt der Dank allen, die mitgeholfen haben,
diese Aktion zu ermöglichen“, freute sich die Ideengeberin Christine Mayer.
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Südkurier Singen 15.12.2011
Geschenke mal anders
Viele Kinder des St. Franziskus Kindergarten geben Päckchen für
Weihnachten an die Tafel ab
Die Kinder des St. Franziskus Kindergartens
haben für die Kinder der Tafelkunden viele
Geschenke dabei. Knoch
In der Singener Tafel stapeln sich die mit buntem Papier verpackten Geschenke.
„68 Päckchen haben wir für die Kinder der Tafelkunden dabei“, sagt Christina
Schwager, Leiterin des St. Franziskus Kindergartens. Die Idee entstand in
einer Sitzung des Elternbeirats. „Zu Weihnachten wollten wir eine Organisation
unterstützen, die für die Kinder auch greifbar ist“, erzählt die Vorsitzende des
Elternbeirats Anja Schüttler.
Am Dienstag brachten die Kinder des Kindergartens die Geschenke in die Tafel,
in einer Woche dürfen sie die Kinder der Tafelkunden dann abholen, damit sie
noch rechtzeitig unter den Weihnachtsbaum gelegt werden können. Udo
Engelhardt, Vorsitzender der Singener Tafel, freut sich über die große Hilfe
und so viel Engagement der Eltern und Kinder.
Seit zwölf Jahren besteht nun die Tafel in Singen. Die praktische Arbeit der
Mitarbeiter konzentriert sich auf den Landkreis Konstanz. Die Singener Tafel
gibt aber immer wieder auch Impulse zur Entwicklung zahlreicher Tafeln in
Deutschland.
Christina Schwager ist stolz auf ihre Kindergartenkinder und deren Eltern,
dass diese Aktion einen so hohen Anklang fand. Sie ist der Meinung, dass
Kinder die viel haben auch etwas davon abgeben können. „Mein Büro ist
zwischenzeitlich fast geplatzt“, sagt die Leiterin des Kindergartens. Auch
die Kinder waren fleißig, suchten die Geschenke aus und halfen ihren Müttern
beim Verpacken. Mit der Hilfe dieser Familien werden nun am Weihnachtsabend
viele Kinder mit leuchtenden Augen vor dem Weihnachtsbaum stehen.
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Singener Wochenblatt 14.12.2011
Bescherung bei der Tafel
Von: Oliver Fiedler
Kindergarten St. Franziskus engagierte sich beispielhaft
Ein tolles Geschenk machten die Kinder und Eltern des Kindergarten
St. Fanziskus der Singener Tafel. Insgesamt 68 Pakete konnten am
Dienstag zusammen an den Vorsitzenden des Tafelvereins Udo
Engelhardt übergeben werden. swb-Bild: of
Singen (of). Die Kinder des Singener Kindergarten St. Franziskus
konnten jetzt selbst einmal Christkind spielen. Denn sie brachten am
Dienstag ganze 68 Päckchen in das Tafelrestaurant am Heinrich-
Weber-Platz. Mit den Päckchen kann eine ganze Wunschliste für
Kinder aus der Tafel erfüllt werden, wie der Vorsitzende des Vereins
Singener Tafel, Udo Engelhardt, beim Empfang der Kinder erklärte.
Die Idee kam von den Eltern der Kinder. Anja Schüttler vom Eltern-
beirat sagte, dass man gemeinsam auf die Idee gekommen sei, und
alles weitere war ganz einfach: Ein Anruf bei Udo Engelhardt genügte,
und schon ging es mit der Wunschliste an die Arbeit. Natürlich haben
die Kinder die ganzen schönen Geschenke mit eingepackt, sagte Kinde-
rgartenleiterin Christina Schwager. Die „Bescherung“ für die Tafelkinder
kann damit nun am kommenden Mittwoch gefeiert werden, sagte
Engelhard den Kindern, die zum Dank für ihre Spende im Tafelrestaurant
mit Keksen und Kakao belohnt wurden.
Die Kinder kennen die Tafel schon von früheren Aktionen, denn es wurde
schon für die Tafel gekocht. Undo Engelhardt informierte in diesem
Zusammenhang, dass die Tafel für Kochaktionen Zuschüsse von der
„Aktion Mensch“ bekommt, die für den Kauf der Zutaten von Koch-
aktionen zur Verfügung stehen. Das Angebot steht allen Interessenten
zur Verfügung. Darüber informiert Udo Engelhardt gerne.
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Südkurier Singen 06.12.2011
Kinderleichtes Kochen für Bedürftige
Der Kindergarten Beuren kocht den Mittagstisch für die Tafel.
Jugendgruppen sollen öfter als Gastköche in der Tafel mithelfen
Die Kinder des Kindergartens Beuren
vor den bereits gedeckten Tischen in
der Tafel. Der gemischte Salat ist die
Vorspeise, des von ihnen zubereiteten
Mittagstisches. Bild: schneider
Singen – Gemischter Salat, Schweinehalsbraten mit Spätzle und Sommer-
gemüse und frischer Apfelkuchen – dieses Menü bereiten die Kinder des
Kindergartens Beuren für die Besucher der Tafel vor.
Unterstützt wurden die kleinen Köche von ihren Müttern, die tatkräftig in
der Küche mithalfen. Der Elternbeirat des Kindergartens sammelte Geld
und kaufte davon die Zutaten für die Koch-Aktion. „Wir wollten die Tafel
einfach unterstützen und die Kinder haben viel Freude am Kochen“, sagte
Christine Gäbler, Leiterin des Kindergartens. Auch im Kindergarten koche
man ab und zu mit den Kleinen.
Für Carmen Koger, Mutter des vierjährigen Julian, hat diese Aktion auch
einen pädagogischen Wert. Sie hat mit ihrem Sohn darüber gesprochen,
was die Tafel für eine Einrichtung ist. „Ich denke, es ist wichtig zu wissen,
dass ein voller Teller nichts Selbstverständliches ist“, so Carmen Koger.
Für die helfenden Mütter war es auch eine Herausforderung, in so großen
Mengen zu kochen. „Wir haben alle keine Großküchen-Erfahrung“, erzählte
Helga Zier.
Udo Engelhardt, Tafelleiter, wünscht sich, dass dieses Modell Schule macht.
Die Tafel in Singen hat von der Förderorganisation „Aktion Mensch“ 4000 Euro
bekommen, die man gerne in Lebensmittel investieren möchte. Und diese
Lebensmittel sollen von Jugendorganisationen zubereitet werden. „Wir haben
oft Anfragen, dass Jugendgruppen für uns kochen möchten, aber kein Geld
für die Zutaten haben“, berichtete Engelhardt. Jetzt habe man das Geld und
lädt Köche in die Tafel ein, um einen Mittagstisch zuzubereiten.
Die Gastköche dürfen sich ein eigenes Menü ausdenken und auch die Planung
und Organisation übernehmen. Diese Aktion wird seit 2005 durchgeführt und
es haben bereits an mehr als 30 Tagen Gastköche die Tafel-Besucher mit
einem Menü überrascht. „Die Gäste freuen sich über die Aufmerksamkeit und
es entstehen neue Kontakte und Verbindungen“, sagte Udo Engelhardt.
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Südkurier Singen 15.12.2011
Die Kinderarmut wächst
Das Bildungspaket der Bundesregierung kommt am Hohentwiel
nicht an: Jeder neunte Singener erhält Sozialleistungen.
Der Verein Kinderchancen kritisiert die Bürokratie.
Ein Kind schaut ratlos. Udo Engelhardt
zieht eine düstere Bilanz. „Durch die
Einführung des Bildungspakets hat sich
die Lebenssituation der betroffenen
Kinder in Singen eher verschlechtert
als verbessert.“ Miredi – Fotolia
Die Zahlen sind alarmierend: Gut 20 Prozent der in Singen lebenden Kinder
unter 15 Jahren sind auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II angewiesen.
SGB II hat die Grundsicherung für Arbeitsuchende zum Ziel, es soll Leistungs-
berechtigten ermöglichen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen
entspricht. Jeder neunte Einwohner der Stadt zwischen 0 und 65 Jahren erhält
solche Leistungen. So viel vorneweg: Das von der Bundesregierung eingeführte
Bildungspaket hat keine positiven Wirkungen unterm Hohentwiel erzielt.
„Kinderarmut ist ein drängendes Problem“, sagt Udo Engelhardt, stellvertretender
Vorsitzender des Vereins Kinderchancen Singen: „Oft sind diese Kinder ausge-
grenzt und in vielen Lebensbereichen benachteiligt.“ Ende Oktober 2010 haben
sich verschiedene Initiativen, Organisationen und Personen zu dem Verein Wir
helfen Kindern e.V. zusammengeschlossen mit dem Ziel, die Kinderarmut in
Singen zu bekämpfen.
Der Verein hat zum Ziel, Hilfsangebote zu vernetzen, Lobbyarbeit für Kinder
aufzubauen und Konzepte zu entwickeln, um die Entwicklungschancen zu
verbessern. Ende November wurde der Verein von Wir helfen Kindern umbe-
nannt, zu oft kam es zu Verwechslungen mit Widmann hilft Kindern in der
Region. Die Tätigkeit des Vereins wird im Wesentlichen vom Vorstand und
dem Runden Tisch gegen Kinderarmut getragen. Dem Vorstand gehören
folgende Personen an: Edelgard Anderson, Rudi Babeck, Udo Engelhardt,
Bernd Häusler, Wolfgang Heintschel, Dirk Oehle und Anita Stadelhofer.
Eine Hauptaufgabe des Vereins ist, zu bereits bestehenden kommunalen und
gesetzlichen Leistungen sinnvolle ergänzende Leistungen für Familien mit
wenig Geld anzubieten. Die Verantwortlichen setzten viel Hoffnung in die
Einführung des Bildungspakets. „Es war allerdings eine geringe Nachfrage zu
registrieren, so dass wir von Kinderchancen über Aktionen und Informationen
für das Bildungspaket geworben haben“, so Engelhardt. Die Ergebnisse der
intensiven Beschäftigung, verbunden mit intensiven Gesprächen mit Kinder-
gärten, Schulen, Familien oder Institutionen, war ernüchternd und liest sich
in Engelhardts Worten so: „Durch die Einführung des Bildungspakets hat sich
die Lebenssituation der betroffenen Kinder in Singen eher verschlechtert als
verbessert. Darauf müssen wir hinweisen.“
Kinderchancen hat im Zuge der ersten Bilanz eine Gegenüberstellung der
Effizienz der Angebote vor und nach Einführung des Pakets für Bildung und
Teilhabe für Familien mit wenig Geld in der Stadt Singen angefertigt. Bei
zentralen Hilfsangeboten wie Mittagstisch und Schülerbeförderung haben
sich deutliche Verschlechterungen ergeben. Manche Angebote aus dem
Bildungspaket werden nur gering nachgefragt. Schulen und Kindergärten
berichten von einem großen zusätzlichen Verwaltungsaufwand, ohne dass
sich Verbesserungen ergeben haben. Engelhardt zieht folgenden Schluss:
„Insgesamt kommen wir zu dem Ergebnis, dass die Einführung und Umsetz-
ung mit einem enormen Aufwand an Arbeit und Geld verbunden ist.
“ Kritisiert wird auch die Tatsache, dass in einigen Bereichen Verwaltungs-
beamte die finale Entscheidung über Förderung treffen – und nicht Pädagogen.
Pädagogen kritisieren auch, dass nur gefördert werden soll, wenn nach dem
Halbjahreszeugnis die Versetzung gefährdet ist. Für den Januar 2012 plant
der Verein Kinderchancen einen Workshop zum Thema „Präventionskette
gegen Kinderarmut“ mit Kira Funke, Fachberatung „Koordinierungsstelle
Kinderarmut“ beim Landschaftsverband Rheinland. Darüber hinaus soll
eine Anlaufstelle Familien mit wenig Geld eingerichtet werden.
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Südkurier Singen 10.11.2011
Blick in die Mülltonnen der Welt
Film „Taste The Waste“ im Kulturzentrum Gems dokumentiert
Wegwerf-Mentalität. Zuschauer uneins über Wirkung
Mit dem Doku-Film „Taste The Waste“
stieß das Kommunale Weitwinkel-Kino
auf großes Interesse, im Foyer der Gems
informierten Gruppen wie Attac und
Greenpeace die Zuschauer zum Thema
Wegwerf-Gesellschaft. Bild: Walden
Singen (wal) Zwei „Mülltaucher“ wühlen durch den Abfall von Discountern, auf
der Suche nach verwertbaren Lebensmitteln. Sie leiden keine Not, sie handeln
aus Protest gegen die immer grotesker werdenden Formen unserer Wegwerf-
gesellschaft. Welche absurden Ausmaße diese bereits angenommen hat, erzählt
der deutsche Filmemacher Valentin Thurn in den darauffolgenden knapp 90 Minuten
in seiner Dokumentation „Taste The Waste“. Das Werk ist vor kurzem mit großem
Echo in deutschen Kinos angelaufen. Das Kommunale Weitwinkel-Kino Singen e.V.
präsentierte den Film in der Singener Gems vor rund 85 Zuschauern. Sie alle
verfolgten zumeist gebannt, wie auch befremdet Thurns Reise durch die Küchen
und Müllkippen der Welt. Alleine in der EU landen laut Schätzungen zufolge rund
90 Millionen Tonnen an Lebensmitteln in der Mülltonne – das meiste davon ist
noch essbar. Thurns Film beschränkt sich jedoch nicht nur auf anklagende Momente,
er zeigt mit reellen Beispielen, wie weltweit Lösungsansätze gegen diesen Wegwerf-
Wahnsinn gesucht und umgesetzt werden. Und er macht auch ohne erhobenen
Zeigefinger klar: „Wir alle sind für diese sinnlose Verschwendung verantwortlich.
Also können wir alle mit unserem persönlichen Handeln dagegen angehen.
Jeder einzelne von uns.“
Wie das direkt vor Ort funktioniert, machte Udo Engelhardt von der Singener Tafel
in einer kurzen Einführung vor Filmbeginn deutlich. Greenpeace und Attac informierten
im Foyer des Kinos die Zuschauer über die aktuelle Lage zu diesen Themen und
positiven Alternativen, die jeder für sich umsetzen kann. Zuschauer Daniel Kovacic
zeigte sich skeptisch gegenüber der Wirkung der ganzen Veranstaltung: „Die Leute,
die heute hier waren, die leben bereits schon sehr bewusst. Der Mensch aber ist
allgemein zu faul und zu egoistisch, um etwas verändern zu wollen.“ Helen Waitz-
Rundel hingegen meinte: „Das ist ein hervorragender Film, er macht Verbrauchern
Mut, die Dinge zu ändern.“
Peter Link vom Weitwinkel-Kino verbuchte die Veranstaltung als vollen Erfolg. Die
Veranstaltung wird deshalb am 20. Dezember um 18.30 Uhr wiederholt.
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Arbeit kann wie Medizin sein
Jahrelang kämpfte Fatma Belfatmi darum, endlich wieder Arbeit zu
bekommen. Eine Chance bot ihr der zweite Arbeitsmarkt –
aber nur auf begrenzte Zeit
Fatma Belfatmi freut sich nach jahrelanger
Arbeitslosigkeit über ihre Anstellung in der
Küche des Singener Tafelrestaurants.
Bild: Sabine Tesche
„Für mich ist die Arbeit wie eine Therapie“
strahlt Fatma Belfatmi. Wenn sie zurückblickt
auf die vier Jahre, die sie ohne Job war,
kräuseln Sorgenfalten ihre Stirn. „Ich habe
so schlecht geschlafen damals. Mein Leben
bestand aus Sorgen und Medikamenten. Ich
war schwach und müde.“ Es klingt als spreche
die 52-Jährige von einer Zeit die meilenweit
hinter ihr liegt. Seit November letzten Jahres
arbeitet sie in der Küche des Singener Tafel-Restaurants. „Jetzt spüre ich wieder
Kraft“, strahlt die gebürtige Algerierin.
Als Fatma Belfatmi mit ihrer Familie 1992 nach Deutschland kam, war sie
voller Hoffnung. Ihr Asylantrag wurde zügig bewilligt. Den ersten Rückschlag
musste ihr Mann einstecken. Sein Diplom als Bauingenieur wurde in
Deutschland nicht anerkannt. Auch Fatma Belfatmi selbst fand aufgrund
fehlender Sprachkenntnisse keinen Job in ihrem Beruf als Bürokauffrau.
Zunächst arbeitete die Mutter dreier Kinder auf der Bodenseehalbinsel Höri
in Hotels oder Restaurants. 2002 zog die Familie nach Singen, um den drei
Kindern den Besuch weiterführender Schulen zu erleichtern. Danach ging es
bergab. Vater Belfatmi wurde krank. Die Mutter plagte zunehmendes Asthma,
eine Zuckerkrankheit wurde festgestellt und mehrere Operationen an der Hand
machten sie arbeitsunfähig.
Motivation ist nicht alles Die Jahre ohne Arbeit beschreibt Fatma Belfatmi
als Jammertal: „Ich war einfach nur noch traurig.“ Ihre Versuche, irgendwo
wieder Tritt zu fassen, schlugen fehl. Schwere Arbeiten darf sie laut ärztlichem
Attest nicht verrichten und mehr als vier Stunden am Tag dürfen es auch nicht
sein. Angesichts derartiger Beeinträchtigungen winken Arbeitgeber lieber ab.
Da hilft auch die Motivation des Bewerbers nicht.
Belfatmis jetzige Arbeit im Tafel-Restaurant ist kein normaler Job. Er wird
maßgeblich von der Arbeitsagentur und dem Landkreis finanziert, der Chef ist
der Verein Singener Tafel. Das heißt aber zugleich: Die Arbeit ist befristet, wie
alle Maßnahmen am zweiten Arbeitsmarkt. Ohnehin wird das Arbeitsförderungs-
instrument „Job-Initiative“, das Belfatmis Rettung war, Mitte 2012 abgeschafft.
Was dann wird, weiß die 52-Jährige nicht. Ihre große Sehnsucht nach einer
unbefristeten Stelle wird wohl nicht in Erfüllung gehen.
Vorstellen kann sich Fatma Belfatmi das noch nicht. „Ich bin total optimistisch“,
strahlt sie trotz allem und hofft, dass sich doch noch irgendein Weg findet.
Die Chancen stehen nicht gut. Die zur Verfügung stehenden Instrumente für
den zweiten Arbeitsmarkt werden immer rarer. Für 2012 ist die nächste
Kürzungsrunde bereits beschlossen.
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Singener Wochenblatt 02.11.2011
Singen: Tafel und Weitwinkel präsentieren
»Taste the Waste«
Film über die Wegwerfgesellschaft im Rahmen einer Matinee
Unsere Wegwerfkultur nimmt der Film
»Taste the Waste« kritisch unter die Lupe.
swb-Bild: Veranstalter
Singen (swb). Im Rahmen der Filmreihe »Zeitenwende?!« zeigt das Singener
kommunale Kino Weitwinkel in der Gems am Sonntag, 6. November um 11 Uhr
den Film »Taste the waste«. In der EU sollen es allein 90 Millionen Tonnen
Nahrungsmittel im Jahr sein, die weggeworfen werden. Der Dokumentarfilmer
und Journalist Valentin Thurn zeigt nüchtern und reportageartig den fragwürdigen
Umgang mit Nahrungsmitteln aauf.
Die Singener Tafel e.V., ATTAC-Singen und der Weltladen informieren dazu.
Von: Oliver Fiedler
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Zahl der Senioren unter den Gästen der Tafeln wächst
Berliner Morgenpost Dienstag, 25. Oktober 2011 02:44
Kaum drei oder vier Jahre ist es her, dass nur ein einziger Gast mit einem
Laufwagen zum Essen kam. "Der hatte Multiple Sklerose. Wir haben ihm
dann immer gesagt: 'Peter, stell den Rollator in irgendeine Ecke' - und das
Problem war gelöst", sagt Udo Engelhardt.
Wenn es heute in der Tafel im südbadischen Singen Mittagessen gibt, bietet sich ein
anderes Bild: Oft sind es zehn oder mehr Laufwagen, die den Raum zu versperren
drohen. Inzwischen wurde Platz geschaffen. An der Wand hängt ein Zettel mit der
Aufschrift "Rollatorenparkplatz".
"Über ein Drittel der Leute, die zu uns kommen, sind nicht mehr im erwerbsfähigen
Alter", sagt Engelhardt, der die Einrichtung leitet. Die Tafel-Helfer, die kostenlose
Nahrungsmittel an Bedürftige weitergeben, erleben das, wovor viele Experten seit
Jahren warnen: Die Altersarmut wächst, und sie wird weiter steigen, wenn die Politik
nicht gegensteuert.
Im vergangenen Jahr waren laut Statistischem Bundesamt von jeweils 1000 Einwohnern
ab 65 Jahren 28 Frauen und 20 Männer auf die Grundsicherung im Alter angewiesen.
In den vergangenen fünf Jahren ist der Durchschnitt damit von 21,6 auf 24,6 Menschen
pro 1000 Einwohner gestiegen. Experten sagen für die Zukunft eine steigende Quote voraus.
Der Seniorenanteil unter den Tafel-Gästen steigt deutschlandweit, nach Angaben des
Bundesverbands Deutsche Tafel von zwölf Prozent im Jahr 2007 auf aktuell etwa 17
Prozent. "Wir erwarten auch in den kommenden Jahren eine Zunahme älterer Gäste",
sagt Sprecherin Anke Assig. Daran werde auch der "Regierungsdialog Rente" nichts ändern: "
Man wird damit nur einen kleinen Teil der Rentner erreichen können."
Angesetzt werden müsse an den vielen geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen im
Osten sowie in anderen strukturschwachen Regionen des Landes, sagt Assig: "Es geht
um Millionen von Menschen, die zukünftig eine Rente unterhalb des Existenzminimums
erhalten werden."
Auch Engelhardt von der Singener Tafel rechnet mit mehr Senioren unter den Gästen.
Er kritisiert, dass Staat und Gesellschaft nicht bereit seien, mehr Geld für arme alte
Menschen auszugeben: "Es wird einfach akzeptiert, dass ein immer größerer Teil der
alten Menschen auf Grundsicherung angewiesen ist."
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21. Oktober 2011 epd
Die Tafeln stellen sich auf Millionen Senioren ein
Rentner, die unter dem Existenzminimum leben, kommen zunehmend in die Tafeln,
um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Tafeln rechnen mit einem
deutlichen Anstieg in den nächsten Jahren. Foto: Brigitte Bohnhorst/fotolia
Tafeln - Immer mehr Menschen sind im Alter auf finanzielle Unterstützung des Staates
angewiesen. Die wachsende Armut unter Senioren bekommen die Tafeln schon heute
zu spüren - und richten Rollatorenparkplätze ein.
Von Sebastian Stoll
Kaum drei oder vier Jahre ist es her, dass nur ein einziger Gast mit einem Laufwagen
zum Essen kam. "Der hatte Multiple Sklerose. Wir haben ihm dann immer gesagt:
'Peter, stell den Rollator in irgendeine Ecke' - und das Problem war gelöst", sagt Udo
Engelhardt. Wenn es heute in der Tafel im südbadischen Singen Mittagessen gibt,
bietet sich ein anderes Bild: Oft sind es zehn oder mehr Rollatoren, die den Raum zu
versperren drohen. Inzwischen wurde Platz geschaffen. An der Wand hängt ein Zettel
mit der Aufschrift "Rollatorenparkplatz".
"Über ein Drittel der Leute, die zu uns kommen, sind nicht mehr im erwerbsfähigen
Alter", sagt Engelhardt, der die Einrichtung leitet. Die Tafel-Helfer erleben das, wovor
viele Experten seit Jahren warnen: Die Altersarmut wächst, und sie wird weiter steigen,
wenn die Politik nicht gegensteuert. "Regierungsdialog Rente" nennt sich ein Experten-
gremium, das Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einberufen hat.
Noch in diesem Jahr sollen unter anderem Vertreter aus Wirtschaft, Sozialverbänden
und Gewerkschaften Schritte erarbeiten, mit denen sich ein Abgleiten von immer
mehr Senioren in die Armut verhindern lässt.
Die Bedürftigen sind nicht mehr mobil
Im Jahr 2010 waren von jeweils 1.000 Einwohnern ab 65 Jahren 28 Frauen und 20
Männer auf die Grundsicherung im Alter angewiesen, erklärte das Statistische Bundesamt
am Freitag. In den vergangenen fünf Jahren ist der Durchschnitt damit von 21,6 auf 24,6
Menschen pro 1.000 Einwohner gestiegen. Experten sagen für die Zukunft eine steigende
Quote voraus.
Singen ist eine Art Brennglas der künftigen Entwicklung. Anders als bei vielen anderen
Orten in der reichen Bodensee-Region handelt es sich bei der 45.000-Einwohner-Stadt
um einen traditionellen Industriestandort. Zwar sind die Arbeitgeber in den vergangenen
Jahren nicht reihenweise abgewandert, doch gibt es eben immer weniger Beschäftigte
in den Fabriken. Wer in der Industrie nicht mehr gebraucht wird, der arbeitet in Singen
nur noch prekär oder gar nicht - und kommt irgendwann ins Rentenalter. Engelhardt:
"Das sind meist gering qualifizierte Leute, oft auch Menschen, die bis in die 80er Jahre
hinein als Gastarbeiter angeworben wurden."
Wie deren Leben aussieht, erfährt Engelhardt, wenn er die Leute fragt, wann sie das
letzte Mal am Bodensee waren, der nur zehn Kilometer entfernt liegt. "Manche Menschen
wissen das schon gar nicht mehr. Wir haben hier viele Alleinstehende, die oft krank und
auf Grundsicherung angewiesen sind. Solche Leute sind nicht mehr mobil. Und das Geld
für Bus und Bahn haben sie auch nicht."
Ausflüge zum Bodensee heben die Lebensqualität
Immerhin hat die Tafel jetzt die Möglichkeit, die Situation etwas zu verbessern. Dank einer
Spende aus der lokalen Wirtschaft verfügt sie über einen neunsitzigen Kombi. In Kooperation
mit der Arbeiterwohlfahrt werden nun Ausflüge zum Bodensee organisiert. Engelhardt will
neue Dienste anbieten. "Dann kann man die Lebensqualität der alten Menschen erhöhen",
sagt er. Es müsse eine Möglichkeit geben, den Gebrechlichsten das Essen an die Haustür zu
liefern. Sein Traum ist eine Art "Tafel auf Rädern".
Der Seniorenanteil unter den Tafel-Gästen steigt deutschlandweit, nach Angaben des Bundes-
verbands Deutsche Tafel von zwölf Prozent im Jahr 2007 auf aktuell etwa 17 Prozent.
"Wir erwarten auch in den kommenden Jahren eine Zunahme älterer Gäste", sagte Sprecherin
Anke Assig dem epd. Daran werde auch der "Regierungsdialog Rente" nichts ändern: "Man wird
damit nur einen kleinen Teil der Rentner erreichen können."
Millionen Rentner unter dem Existenzminimum
Angesetzt werden müsse an den vielen geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen im Osten
sowie in anderen strukturschwachen Regionen des Landes, sagt Assig: "Es geht um Millionen
von Menschen, die zukünftig eine Rente unterhalb des Existenzminimums erhalten werden."
Auch Udo Engelhardt von der Singener Tafel rechnet mit mehr Senioren. Er kritisiert, dass Staat
und Gesellschaft nicht bereit seien, mehr Geld für arme alte Menschen auszugeben: "Es wird
einfach akzeptiert, dass ein immer größerer Teil der alten Menschen auf Grundsicherung
angewiesen ist."
epd
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Singener Wochenblatt 12. Oktober 2011
Singen: Zu viel Bürokratie bei Bildungshilfen
Netzwerk »Wir helfen Kindern« gibt Politikern Aufgaben mit
Ein großer Runder Tisch zum Thema
Bildungspauschalen kam am Montag bei
der AWO in Singen zusammen um die
Probleme bei der Umsetzung vor Ort
zu diskutieren: Viel zu viel Bürokratie,
viel zu viel Abschreckung für die
Bedürftigen und viel zu langsame
Behörden wurden kritisiert.
swb-Bild: of
Singen (of). Seit April werden bundesweit die Bildungsgutscheine für die
Bezieher des Arbeitslosengelds 2 (ALG2) propagiert, die eine Verbesserung
der Versorgung bedeuten sollen. Doch die Bildungsgutscheine werden noch
viel zu wenig in Anspruch genommen. Ernüchternde Zahlen lieferte ein Runder
Tisch, zu dem am Montag Udo Engelhardt und Wolfgang Heintschel als
Vorsitzende des vor einem Jahr gegründeten Netzwerks »Wir helfen Kindern«
in Singen die Schulleiter, Vertreter der karitativen Organisationen und die
Politiker aus Land- und Bundestag eingeladen hatten.
Die Zahlen lieferte Ignatz Wetzel, Leiter des Jobzentrum im Landkreis: Anträge
auf die Unterstützung beim Mittagstisch an den Schulen habe es bislang rund 320
gegeben, Anträge auf Lernförderung durch Nachhilfe wurde nur ganz 38 bisher
genehmigt, Gutscheine für Musikschulen oder Vereinsmitgliedschaften waren es
216, für die Schülerbeförderung 80. Dazu kamen einige weitere Anträge von
Beziehern der klassischen Sozialhilfe und von Wohngeldempfängern. Udo
Engelhardt rechnete dagegen, dass es 5.043 Personen im Landkreis wären, die
(allerdings bis zum 25. Lebensjahr gezählt werden) berechtigt seien, solche
Hilfen in Anspruch zu nehmen.
Für ihn sind die Zahlen ein Beleg dafür, dass das Verfahren mit den Anträgen,
die jeweils immer noch von den Schulen bestätigt werden müssen, viel zu kom-
pliziert ist. »Das muss einfach alles einfacher und schneller gehen können« ist
sein eindeutiger Wink in Richtung der Politik.
Wie sehr sich die Situation verändern hat, machte dabei Daniela Wetz, Leiterin
der Hebeschule in Singen deutlich: gerade mal acht Kinder mit Gutscheinen
können dort zum Mittagessen, vor den Ferien waren es noch 42 Kinder gewesen,
die bis dahin vom rührigen Verein »Widmann hilft Kindern in der Region«
unterstützt wurden. Doch der darf nicht mehr fördern, weil dass den Eltern sonst
als Zugewinn verbucht würde und vom Regelsatzbeitrag abgezogen wird.
Ein Problem sieht die Rektorin der Waldeck-Schule, Anja Schuler, schon in der
Regelung, dass die Eltern zur Förderung des Mittagstisch durch das Jobcenter
einen Euro Eigenbeitrag leisten sollen. »An diesem Euro liegt es meistens, denn
den bekommen die Kinder nicht klagt sie.« Und: Viele anderen Eltern, die keine
Hilfen vom Staat erhalten, wollen sich für ihre Kinder den Mittagstisch auch
nicht leisten und lassen die Kinder dann lieber hungrig in der Ganztagesschule«,
ist ihre Beobachtung. Und: die Anträge beschäftigen das Schulsekretariat enorm,
weil der Förderbeitrag genau definiert werden soll, und weil fast jeder Monat
unterschiedliche viele Schultage hat. Das ist Bürokratie pur.
Wie die Schulsozialarbeiterin der Walddeckschule, Birgit Bohl, deutlich machte,
sollte eine Vereinfachung schnell möglich sein: »Was machen wir jetzt mit den
hungrigen Kindern, die vor der Mensa stehen und die nicht mitessen können«,
ist ihre provokative Frage.
Und das ist die nicht die einzige Baustelle der Bildungshilfen: Wie eine Mitarbei-
terin des Tafelladens sagte, hat sie für ihre 4 Kinder das versprochene Busgeld
für die Fahrt in die Schule vom Jobcenter inzwischen für zwei Monate vorstrecken
müssen. Und das ist für sie eine harte Belastung.
Eine Umstellung der Sorftware bei der Kreis-Verkehrsgesellschaft VHB und der
Personalmangel im Jobcenter sollen dafür die Ursache sein, sagt Ignaz Wetzel.
Die Landtagsabgeordneten Hans-Peter Storz (SPD) und Siegfried Lehmann (Grüne)
wollen nun sehen, wie man das eigentlich vom Bund gesteuerte Thema in den Landtag
bringen kann. Auch MdB Till Seiler zeigte sich empört über die Bürokraktie und
will in Berlin vorstoßen. Die Abgeordneten prüfen auch, inwieweit eine gemeinsame
Initiative gestartet werden könnte.
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Unser Tafelgarten trifft auf großes Interesse. Nach der Zeitung hat unser
Lokalradio SWR 4 eine Reportage gemacht. Danach kam das Fernsehen,
SWR 3 mit der Landesschau und das ZDF mit dem Länderspiegel.

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Singener Wochenblatt 14.09.2011
Ein Recht auf den Mittagstisch
Von: Oliver Fiedler
Widmann-Verein verteilt Anträge in Singener Schulen
In fünf Singener Schulen wurden am Dienstag
Anträge für die Bildungspauschale zusammen
mit Äpfeln und Brezeln an Schüler verteilt.
swb-Bild: of
Singen (of). Die im Frühjahr diesen Jahres angekündigten Bildungspauschalen
sind in den Köpfen der Bedürftigen offensichtlich noch lange nicht angekommen.
Denn das Recht auf den Mittagstisch in den Schulen wird derzeit kaum genutzt.
Darauf wiesen am Dienstag Hans Teschner und Rudolf Babeck vom Verein
»Widmann hilft Kindern in der Region« sowie Udo Engelhardt von der Singener
Tafel mit einer Aktion an fünf Singener Schulen hin. »Im Kreis Konstanz wären
nach den Berechnungen des Job-Center rund 7.000 Kinder berechtigt, die Hilfen
des Bildungspakets in Anspruch zu nehmen, doch bisher sind im Job-Center
weniger als 500 Anträge eingereicht worden«, sagt Hans Teschner. Und das ließ
bei ihm die Alarmglocken klingeln. Mit der Unterstützung von Mitgliedern des
Tafelvereins wurden an den Schulen Brezeln, Äpfel und Anträge an alle Kinder
verteilt, damit diese bei den Eltern zuhause ankommen. »Es gibt natürlich in
vielen Familien eine große Scheu zum Job-Center zu gehen«, ist die Einschätzung
von Hans Teschner. Der Antrag schafft viele Vorteile: damit würde der Staat
auch die Beiträge für den Sportverein übernehmen. Die Kinder sollen durch die
Armut der Eltern möglichst keinen Nachteil in Sachen Bildung oder Sozialkontakte
haben war die Intension für das Gesetz.
Hans Teschner hofft, dass mit der Aktion die Zahl der Anträge deutlich ansteigt,
davon erhofft sich auch der Verein eine Entlastung. Bisher übernimmt er die Kosten,
wenn Kinder nicht am Mittagstisch teilnehmen könnten, doch mit Beginn dieses
Schuljahres kann das Job-Center das als Einkunft werden und von der Unterstützung
abziehen, sagte Hans Teschner.
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Südkurier Singen 16.08.2011
Begegnung mit der Kinderarmut
Zu einem Kunstprojekt von Gymnasiasten gehörte auch das
Kochen für die Singener Tafel
Kochen als Teil eines Kunstprojektes:
Schüler der Klasse 6f des Friedrich-Wöhler-
Gymnasiums waren Gastköche in der Singener
Tafel. Bild: Rossner
Singen – So viele Gastköche waren noch niefür die Singener Tafel im Einsatz,
alle 26 fanden in der Küche gar keinen Platz. Die Schülerinnen und Schüler
der Klasse 6f des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums schnippelten an den
Tischen vor dem Tafelladen Gemüse und Obst, zu kunstvollen Gebilden
wurden Servietten gefaltet. In der Küche formten die restlichen Sechstklässler
Hackfleischbällchen und Griesklößchen. Claudia Rehling als Mutter einer
Schülerin hatte den Speiseplan zusammengestellt und half beim Kochen.
Und das im Kunstunterricht in einem Projekt mit Antonio Zecca.
Wie passen Kochen und ein Kunstprojekt zusammen? „Diese Aktion für die
Singener Tafel ist Teil eines Gesamtprojektes zum Thema Kinderarmut in
Deutschland“, erläuterte Zecca. Sein Gedanke war, Kunst auf der Straße mit
sozialer Ausrichtung zu gestalten. Als Orchesterklasse des Jahrgangs hatten
die Schüler in der Stadt musiziert, Passanten zu dem Thema angesprochen
und auch Geld gesammelt, von dem die Lebensmittel für das Mittagessen
in der Tafel gekauft wurden.
Diese Aktion wurde dokumentiert und in vier Kunstbüchern mit Texten und
Zeichnungen zum Thema Armut, Fotografien und den aufgeschriebenen Interviews
zusammengestellt. Im Kunstunterricht waren alle Schüler von diesem Projekt-
vorschlag von Antonio Zecca begeistert. „Die ganze Klasse hat sofort zugestimmt“,
erzählt Konstantin Brucher.
Florin Schwald hatte im Internet über Armut recherchiert und Informationen
von der Singener Tafel in seinem Textbeitrag verwendet. „Das ist ein tolles
Projekt“, fand Florin. Aus einem Kunstprojekt sei soziales Engagement geworden.
Klassenlehrerin Susanne Börgartz freute sich, dass alle begeistert dabei waren:
„Das ist für die Klasse ein Erlebnis, das zusammenschweißt, die Gemeinschaft
fördert und Sensibilität gegenüber anderen entwickelt, denen es nicht so gut geht.“
„Eine runde Sache“, meinte Udo Engelhardt von der Singener Tafel.
Beim Servieren kämen die Schüler auch in Kontakt mit den Tafelgästen.
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Südkurier Singen 12.08.2011 .
Unzureichend
Betroffene sind nicht informiert
Den bekannten Spruch „Stell Dir vor, es ist Krieg
und keiner geht hin.“ (im Original von dem Amerik-
anischen Dichter Carl Sandburg (1878 bis 1967),
Sometime they'll give a war and nobody will come.')
hatte Udo Engelhardt bei der Veranstaltung des
Vereins „Wir helfen Kindern“ zum Bildungspaket
ganz passend abgewandelt.
Offenbar ist das Bildungspaket noch nicht bei denen angekommen,
die Anspruch darauf hätten. Wie kann es sein, dass Monate nach dem
Auflegen des Paketes durch das Ministerium von Ursula von der
Leyen in der Region so wenige Anträge vorliegen? Entweder sind
die Familien nicht informiert oder sie haben Hemmungen, einen Antrag
zu stellen, weil sie nicht abgestempelt werden wollen?
Völlig unklar ist anscheinend auch, wie beispielsweise die Umsetzung
des Zuschusses für die Mittagsverpflegung gehandhabt werden kann,
ohne dass die Kinder von ihren Mitschülern als „Bedürftige“ erkannt
werden. Gutscheine (mit einem Eigenanteil von einem Euro) soll es für
eine warme Mahlzeit geben. Wenn das Kind diese aber einfach bei der
Mensa abgibt, bekommen andere Schüler dies mit. Ob sich die Zahl
der gesponserten Mittagessen, die der Verein „Widmann hilft Kindern
in der Region“ seit Jahren bezahlt, deshalb nicht reduziert? Jedenfalls
will der Verein Essen ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr bezahlen,
da es ja hierfür nun das Bildungspaket gibt. Bislang hat der Kinderhilfs-
fonds an die 1000 Essen im Monat in Schulen bezahlt. Sorgen machen
sich die Aktiven im Widmann-Hilfsfonds zwar, dass die Kinder ab dem
neuen Schuljahr dann ohne Mittagessen in der Schule sitzen, aber es kann
ja auch nicht sein, dass der Verein etwas finanziert, wofür es inzwischen
andere Zuschussmöglichkeiten gibt. Damit die Betroffenen besser infor-
miert werden, sollten die zuständigen Stellen – Landratsamt und Jobcenter
– diese besser informieren und nicht einfach nur warten, bis diese von
selbst kommen und Anträge ausfüllen. Beim Paket selbst wird es noch
Nachbesserungen geben müssen. Denn mit zehn Euro im Monat kann auf
keinen Fall der Beitrag für eine Musikschule bezahlt werden. Auch wenn
damit geworben wird, dass diese Leistungen für die soziale Teilhabe
beispielsweise für den Unterricht in künstlerischen Fächern gedacht sind.
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Südkurier Singen 12.08.2011
Bildungspaket kommt nicht an
Das neue Hilfsangebot für bedürftige Familien wird wenig nachgefragt.
Von dem Bildungspaket sollen vor allem die Kinder profitieren. Experten
vermuten einen Mangel an Information als Hintergrund.
Singen – Der Verein „Wir helfen Kindern“, die Singener Tafel und die Arbeiterwohl-
fahrt (AWO) hatten Interessierte zu einer Informationsveranstaltung über das neue
Bildungspaket eingeladen. Dabei wurde deutlich, dass noch sehr viele Unklarheiten
bestehen und Betroffene oftmals gar nichts von dieser Möglichkeit wissen.
„Stell Dir vor, es gibt ein Bildungspaket und keiner holt es ab“ – schon mit diesem
Satz machte Udo Engelhardt von der AWO deutlich, dass das neue Bildungspaket
noch nicht in den Köpfen der Betroffenen angekommen ist. „Es darf nicht sein, dass
das Bildungspaket gar nicht genutzt wird. Deshalb muss es zum Empfänger gebracht
werden“, so Engelhardt. Wie das geschehen könnte, darüber herrschte aber ein
wenig Ratlosigkeit. Selbst Kommunen wissen oft nicht viel darüber, was Betroffene
machen müssen, wenn sie Ansprüche geltend machen wollen, so die Erfahrung von
Engelhardt.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte das Bildungspaket aufgelegt,
damit alle Kinder von Anfang an mitmachen können, sei es im Kindergarten, in der
Schule und in der Freizeit. Familien, die nach dem Sozialgesetzbuch II (Sozialgeld
oder Arbeitslosengeld II), Sozialhilfe, Wohngeld, den Kinderzuschlag oder Leistungen
nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, können das Bildungspaket in Anspruch
nehmen. Nach dem Stand von Mitte Mai sind das im Landkreis Konstanz allein 5043
Kinder, die von Hartz IV betroffen sind und weitere 1815 Betroffene bekommen
Wohngeld oder den Kindergeldzuschlag. Aktuell gibt es beim Jobcenter allerdings
nur 372 bearbeitete Anträge auf das Bildungspaket, berichtete Katja Thönig vom Jobcenter.
Auch der Verein „Widmann hilft Kindern in der Region“ wundert sich, dass die Zahl der
Mittagessen, die er seit Jahren bezuschusst, nicht abnimmt, obwohl es jetzt das Bildungs-
paket gibt.
Ob man nicht alle Betroffenen anschreiben könne, damit sie wissen, dass sie das
Bildungspaket beanspruchen können, wollte Edelgard Anderson vom Verein „Wir helfen
Kinder“ wissen. Dafür fehle dem Jobcenter die technische Ausrüstung, so Jobcenter-
Geschäftsführer Ignaz Wetzel. Dabei hatte die Bundesarbeitsministerin Ursula von der
Leyen bereits vor über drei Monaten aufgrund der geringen Resonanz angekündigt, alle
anspruchsberechtigten Familien bezüglich der Beantragung des so genannten Bildungs-
und Teilhabepaketes direkt anzuschreiben. Gefördert werden sollen mit dem Paket
bundesweit rund gezielt 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche. Die Formulare sind auf
der Homepage des Landratsamtes herunter zu laden. Anträge für alle Leistungen des
Bildungspaketes können beim Jobcenter abgegeben werden, egal, welche Sozialleistung
der Antragsteller erhält.
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Südkurier Singen 08.08.2011
Dankbar über die Arbeit im Tafelgarten
Singen – Es herrscht Aufbruchstimmung im Gewächshaus der ehemaligen
Stadtgärtnerei beim Singener Waldfriedhof. 22 Beschäftigte kümmern sich
emsig um die Bodenaufbereitung, die Anpflanzungen, die Ernte und Verarbeitung
der Früchte.
Nichts ist schöner, als den Lohn der Arbeit mit Händen greifen zu
können. Hier im Gewächshaus können die
Beschäftigten des Tafelgartens die Früchte
selber ernten. Projektleiter Reinhold Imhäuser
(im roten T-Shirt) gibt Tipps.
Bild: Sabine Tesche
Nirgends kann man den Lohn seiner Arbeit so gut erleben, wie im Gartenbau.
Die Tomaten hängen prall am Strauch. „Die Auberginen werden uns aus den Händen
gerissen“, sagt Projektleiter Reinhold Imhäuser.
Seit April hat die Arbeiterwohlfahrt mit dem Aufbau des Singener Tafelgartens
begonnen. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit dem Job Center des Landkreises,
der Stadt Singen und der Singener Tafel. Es soll Langzeitarbeitslose und schwer
vermittelbare Personen wieder an den allgemeinen Arbeitsmarkt heranführen.
Dazu gehört für Menschen, die lange keiner geregelten Arbeit nachgegangen sind,
dass sie lernen müssen, sich in einen beruflichen Alltag einzugliedern. Also pünktlich
zur Arbeit erscheinen und nicht gleich aufgeben, wenn eine Arbeit ihnen nicht
so gefällt.
In der ehemaligen Stadtgärtnerei scheint das nicht der Fall zu sein. „Wir fangen
um 7.30 Uhr an“, berichtet Reinhold Imhäuser. „Die ersten stehen aber schon um
7 Uhr vor der Tür.“ Das zeuge von einer hohen Identifikation mit der Arbeit,
sagt auch Udo Engelhardt von der AWO. „Der Vorteil hier ist, dass niemand
unter Zeitdruck steht.“ Bedauerlich findet er nur, dass der Einsatz für die Hartz-
IV-Empfänger nach einem halben Jahr beendet ist. Viele würden gerne weiter
machen. Die Erträge werden im Tafelladen verkauft oder in gekochter Form
beim Mittagstisch der Tafel angeboten.
Weil die Motivation seiner Leute so groß ist, hatte Reinhold Imhäuser nun
zusammen mit Udo Engelhardt und Christiane Kaluza-Däschle von der Lokalen
Agenda 21 die Idee, die Dienste des Tafelgartens auch außerhalb des Gewächs-
hauses anzubieten. „Wir können ungenutzte landwirtschaftliche Flächen oder Streu-
obstwiesen kostenlos pflegen, wenn wir den Ertrag dort auch ernten dürfen“, sagt
Imhäuser. „Wir freuen uns auch über gespendetes Obst und Gemüse. Was Hobby-
gärtner nicht verarbeiten können, holen wir gerne ab.“ Die Ernte kommt ebenfalls
der Singener Tafel zugute. Auch Saatgut und Jungpflanzen sind den Mitarbeitern
des Tafelgartens willkommen, ebenso wie Werkzeuge und Küchengeräte aller Art
sowie Marmeladengläser mit Schraubverschlüssen. „Wir freuen uns über die
Unterstützung aus der Bevölkerung“, sagt Imhäuser.
„Auch über Tipps und Ratschläge.“
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Südkurier Kreis Konstanz 18.07.2011
Bilder geben Einblicke in Armut
Eine Ausstellung der Singener Tafel und der Konstanzer Initiative
„Arm sind die anderen“ macht auf das Thema Armut aufmerksam
Sie eröffneten die Ausstellung mit Fotografien
zum Thema Armut im Singener Rathaus
(von links): Udo Engelhardt, Anna Blank,
Andreas Sauer und Bernd Häusler.
Bild: Karin Zöller
Kreis Konstanz – „Arm sind die Anderen“ ist auch der Titel der Ausstellung
in allen Rathäusern im Landkreis Konstanz, die auf ungewöhnliche Weise
Armut thematisiert. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt der Singener Tafel
und der Konstanzer Initiative werden insgesamt 37 großformatige Fotografien
zeitgleich an verschiedenen Orten präsentiert.
„Unser Ziel ist, dass Menschen über Armut in der Gesellschaft nachdenken“,
erklärte Udo Engelhardt, Vorsitzender der Singener Tafel, bei der Eröffnung
der Wanderausstellung im Singener Rathaus. Mit den Bildern, die Szenen
aus dem Tafelalltag sowie Porträts von Mitarbeitern der Tafel zeigen, wolle
man nicht nur den Mangel, den viele Menschen täglich erleben müssten,
thematisieren, sondern auch auf Armutsrisiken oder Ausgrenzung hinweisen.
Die Fotografien, die mit treffenden Zitaten versehen wurden, sollen zudem
die Solidarität eines starken Netzwerks von Helfern und Sponsoren mit von
Armut betroffenen Menschen darstellen. Der Singener Bürgermeister Bernd
Häusler hob in seiner Ansprache hervor, wie wichtig es sei, diesen Menschen
Hoffnung zu geben und sie wieder „ins Boot zu holen“. Auch in Singen würde
die Anzahl an Armen weiter steigen.
Mit einem Betrag von 5000 Euro wurde die Ausstellung durch Mittel aus dem
Landesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren, im
Rahmen des Europäischen Jahres gegen Armut und soziale Ausgrenzung 2010
gefördert.
Ideengeber sind die Kulturanthropologin Anna Blank und der Fotodesigner
Andreas Sauer, die mit ihrer ehrenamtlichen Initiative „Arm sind die Anderen“
bereits ein Ausstellungsprojekt mit obdachlosen Menschen in Konstanz umgesetzt
haben und nun auch für die Realisierung der Ausstellung in Zusammenarbeit mit
der Singener Tafel verantwortlich zeichneten.
Bis 31. Juli sind die Fotografien kreisweit in den Rathäusern zu sehen. Danach ist
eine Gesamtausstellung im Landratsamt Konstanz geplant. Zudem sollen die Bilder
in Kirchen, Banken oder Geschäften gezeigt werden.
Informationen im Internet:
www.arm-sind-die-anderen.de
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Singener Wochenblatt 04.07.2011
Singen: Stadhallendamen kochen für die Tafel
Von: Oliver Fiedler
Teamwork klappte auch beim Einkauf und am Herd bestens
Die Damen der Stadthalle Singen kochten kürzlich für die Singener Tafel.
swb-Bild: kts
Singen (swb). Sieben Einlassdamen der Stadthalle Singen kochten für die
Mittagstisch-Besucher der Singener Tafel. Die Idee dazu wurde anlässlich
des Benefizkonzerts von Mundharmonika-Star Michael Hirte mit musikalischen
Freunden für den Tafel-Verein in der Stadthalle geboren. Das Vorhaben fanden
bei Kultur und Tourismus Singen alle toll und so spendierte KTS die Zutaten.
atürlich nicht einfach, ein Essen für 80 Personen zuzubereiten. Doch wie in der
Stadthalle klappte auch in der Küche der Singener Tafel das Teamwork ganz
ausgezeichnet. Und die Essensgäste waren begeistert.
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Südkurier Singen 06.07.2011
Singener Tafel:
Ausstellung macht auf Mangel aufmerksam
Singen (wis) Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung wendet sich
die Singener Tafel e. V. gemeinsam mit der Konstanzer Initiative
„Arm sind die Anderen“ an die Öffentlichkeit. In allen Rathäusern
im Landkreis wird mindestens eine von insgesamt 37 großformatigen
Fotografien an prominenter Stelle gezeigt. Die Bilder zeigen Szenen
aus dem Singener Tafelalltag sowie Portraits von Mitarbeitern. Sie
thematisieren einen Mangel, den viele Menschen Tag für Tag erleben
müssen. Die Ausstellung soll die offene Auseinandersetzung mit dem
Thema Armut fördern. Die Aktion ist als Wanderausstellung konzipiert,
bei der die Bilder nach den Rathäusern auch noch an anderen
symbolischen Orten aufgestellt werden sollen. Im Singener Rathaus
sind die Bilder ab Montag, 11. Juli zu sehen.
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Südkurier Singen 06.07.2011
Stadthallen-Team kocht für Tafel
Sieben Einlassdamen der Stadthalle kochten für die Mittagstisch-Besucher
der Singener Tafel. Die Idee wurde anlässlich des Benefizkonzerts von
Michael Hirte geboren.
Sieben Einlassdamen der Stadthalle kochten
für die Mittagstisch-Besucher der Singener Tafel. Die Idee wurde anlässlich
des Benefizkonzerts von Michael Hirte geboren. Alles wurde frisch verarbeitet:
gemischter Salat, spanischer Eintopf und rote Grütze mit Vanillesoße. 80 Esser
waren begeistert. Alles wurde frisch verarbeitet: gemischter Salat, spanischer
Eintopf und rote Grütze mit Vanillesoße. 80 Esser waren begeistert
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Südkurier Singen 29.04.2011
Tafel stößt an Grenzen
Singen – Immer mehr Menschen sind auf das Angebot der Tafel
angewiesen. Deshalb hat die Singener Tafel inzwischen weitere
Tafelläden in Radolfzell, Engen, Konstanz und Stockach.
Sie engagieren sich in der Singener
Tafel im Vorstand (von links): Martin Jenett, Anita Hoffmann,
Willy Wagenblast, Udo Engelhardt, Renate Ibbeken, Rosmarie
Classen, Hildegard Gallenschütz, Marie Luise Schmautz und
Inge Schönenberger. Bild: sgr
Allerdings sollen keine weiteren Ableger mehr entstehen, wie der
Vorsitzende Udo Engelhardt bei der Hauptversammlung mitteilte.
Im Januar 1999 war der Verein „Singener Tafel“, der 130 Mitglieder
hat, gegründet worden. Seit November 1999 gibt es den Tafelladen
in Singen. 2005 kam die Konstanzer Tafel mit eigenem Laden hinzu,
2007 dann die Stockacher Tafel. Ende 2008 wurde der Engener
Tafelladen eröffnet, der Radolfzeller Laden besteht nun ein gutes
Jahr. Rund 142 Kunden kommen pro Tag in den Singener Laden.
Dort wurden 2010 rund 37 000 Einkäufe getätigt. Die 739 gültigen
Kundenkarten umfassen schätzungsweise 1600 Menschen, die wegen
ihres geringen Einkommens auf den Einkauf im Tafelladen angewiesen
sind. Seit September 2010 hat der Singener Laden, in dem ein Team
von 21 Mitarbeitern größtenteils ehrenamtlich arbeitet, nur noch an
vier Tagen geöffnet, weil nun mittwochs der Laden in Radolfzell
geöffnet ist.
Der Konstanzer Tafelladen wird von einem Team von 49 Mitarbeitern
geführt. 411 gültige Kundenkarten gibt es dort, in Stockach sind es
derzeit 350 Kundenkarten. Dort ist ein Team von 26 Personen
beschäftigt. Der Engener Tafelladen hat 16 Mitarbeiter, die 115
Kundenkartenbesitzer betreuen, während es in Radolfzell 189
Kundenkarten sowie 18 Helfer sind. „Wir werden keine weiteren
Ableger eröffnen“, sagte Udo Engelhardt. Die Grenze der Kapazität
sei auch beim Tafel-Restaurant in Singen erreicht. Dort werden
täglich rund 45 Essen ausgegeben.
Das Jahr 2010/11 war geprägt von einer Reihe von Anschaffungen
wie einer Tiefkühlzelle, einem neuen Herd sowie zwei Fahrzeugen,
was insgesamt Investitionen von gut 100 000 Euro ergab. Die neuen
Pfandspendenkästen, die in acht Geschäften aushängen, bringen der
Tafel gut 500 Euro Einnahmen zusätzlich im Monat. Im Jahr 2010
hatte die Tafel insgesamt 65 000 Euro an Spenden erhalten, weil
besonders wegen eines neuen Herds für die Restaurant-Küche
geworben worden war. Einen wichtigen Stellenwert hat die
Netzwerkarbeit. So trifft man sich regelmäßig mit dem Tafel
Regioverbund Bodensee sowie der Tafellogistik im Land. „Wir
sind eine von fünf Stellen im Land, die auch Großmengen im
Bereich Tiefkühlprodukte annehmen kann“, so Engelhardt.
Bei den Wahlen gab es nur eine Veränderung bei den Beisitzern.
Richard Wiggenhauser schied als Beisitzer aus. Für ihn rückte
Hildegard Gallenschütz nach.
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Singener Wochenblatt 17.04.2011
Singen: Tafel bald mit „Garten“
Von: Oliver Fiedler
Verein zog Bilanz / Udo Engelhardt bestätigt
Der neu gewählte Vorstand der Singener Tafel wurde um
Mitglieder aus Radolfzell erweitert. swb-Bild: of
Singen (of). So bewegend das letzte Jahre war, so bewegt war auch
die Bilanz der Tafel, die am Freitag Abend in Singen gezogen werden
konnte. Wie der Vorsitzende der Singener Tafel, Udo Engelhardt, in
seiner über einstündigen Bilanz berichtete, hat sich eine Menge getan.
Investitionen von 103.000 Euro hat der Verein mit seinen 130 Mitgliedern
an Investitionen auch dank Spenden gestemmt. Eine Tiefkühlzelle wurde
zur Verfügung gestellt, die Küche im Tafelrestaurant wurde mit neuem
Gerät ausgestattet, zwei neue Lieferfahrzeuge sind hinzugekommen.
Die inzwischen fünf Tafelläden in Singen, Konstanz, Stockach, Engen und
Radolfzell verzeichneten im letzten Jahr über 63.000 Einkäufe. Davon
entfielen auf den Tafelladen in Singen rund 37.000 Einkäufe, auf Konstanz
16.600, auf Stockach 5.600, auf Engen 1.270, auf Radolfzell im ersten
Jahr 2.500 Einkäufe. In Singen könne man mit dem Angebot rund 20 Prozent
der an der Armutsgrenze lebenden Menschen eine Hilfe anbieten, damit
sei es auch „gut“ wie Engelhardt sagte. Mehr könne der Verein auch gar
nicht leisten. Im Tafelrestaurant in Singen wurden rund 10.000 Menschen
verpflegt, das sind rund 45 Besucher pro Öffnungstag. Zusätzlich wird
in der „Lilje“ in Singen Süd ein Mittagstisch für Bedürftige geboten.
Über eine neue Software gibt es erste Erkenntnisse über die
Zusammensetzung der Tafel-Kunden. Es sind mehr ältere Menschen,
als bisher angenommen.
Ganz neu wird in diesem Jahr der AWO-Garten in der Region auftauchen.
Ausgangsbasis dafür sind die Gewächshäuser der AWO, die einst von
der Singener Stadtgärtnerei übernommen wurden. Dort sollen nun Produkte
angebaut werden, die auch im Tafelladen angeboten werden können, um
das Angebot weiter zu verstärken. Engelhardt stellt sich vor, dass die
Arbeitslosen auch Streuobstwiesen ernten, um daraus Produkte zu
generieren. Das setze aber voraus, dass entsprechende Angebote von
Grundstücksbesitzern an die AWO gemacht werde. Engelhard sieht hier
ein großes Potential. Die Bilanz, die Willi Wagenblast vorstellte, weist
ein kleineres Defitzit auf als im Vorjahr. Das Spendenaufkommen liegt
mit 65.700 Euro höher als im Vorjahr und bei rund 20 Prozent der Ausgaben.
60 Prozent können durch Verkaufserlöse erwirtschaftet werden. Bei den
Neuwahlen wurde Udo Engelhardt als Vorsitzender für zwei weitere
Jahre mit zwei Enthaltungen gewählt, als zweite Vorsitzende wurde Anita
Hoffmann mit einer Enthaltung bestätigt, als Kassier Willi Wagenblast,
als Schriftführerin Marie Luise Schmautz. Beisitzer sind für die kommenden
zwei Jahre: Inge Schöneberger, Renate Ibbeken und Hildegard Gallenschütz
(erstmals für Radolfzell) Rosmarie Classen und Martin Jenett.
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Singener Wochenblatt 21.03.2011
Tafelfreunde besuchen die Stuttgarter Vesperkirche
Von: Oliver Fiedler
Beeindruckendes Angebot mit Speisen und Kultur /
Eine Vision für den Hegau?
Beeindruckt zeigten die die Tafelfreunde aus dem Hegau über das
Angebot der Stuttgarter Leonardskirche. swb-Bild: pr
Singen/Stuttgart (swb). Anfang März haben 30 Helfer der Tafeln im
Landkreis Konstanz, die Stuttgarter Leonhardskirche besucht. Jedes Jahr
zwischen Januar und März wird die Leonhardskirche in der Stuttgarter
Innenstadt zur Vesperkirche. Da werden dann in der Kirche Tische
aufgebaut an denen sich die Menschen zum Essen und Gespräch treffen.
Sieben Wochen lang ist die Kirche ein "Zuhause auf Zeit" für Menschen
aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen. Für Menschen, für die
Einsamen, die Hilflosen, die Alten und für alle, die Begegnung suchen,
öffnete im Januar 1995 erstmals die Stuttgarter Leonhardskirche mit der
Aktion Vesperkirche ihre Türen; und seitdem jedes Jahr. Manche der
täglich bis zu 1.000 Gäste wollen für sich sein, Zeitung lesen oder Musik
hören. Andere spielen Schach oder Skat. Für Gespräche und Beratung
stehen Diakoninnen und Diakone zur Verfügung. Ab 11.30 Uhr kann man
für 1,20 Euro ein warmes Mittagessen bekommen. Doch auch ohne Geld
kann man mitessen.
Das Interesse der Tafelmitarbeiter an den Vesperkirchen ist sehr groß.
Im Februar haben deswegen drei kleinere Gruppen die Schwenninger
Vesperkirche besucht. Die Tafelmitarbeiter aus Singen, Konstanz, Radolfzell
und Engen waren sehr beeindruckt von der Organisation und dem Geist,
der hinter dieser Idee der Kirche steht. In den sieben Wochen Vesperkirche
haben 500 Helfer dafür gesorgt, das 35.000 Essen und 27.000 Liter warme
und kalte Getränke ausgegeben wurden. An den Wochenenden wurde das
Programm durch kulturelle Angebote ergänzt. Eine wichtige Aussage der
Vesperkirche ist "Es ist genug für alle da und das wollen wir miteinander
teilen". Nach dem Besuch Vesperkirche kam immer wieder die Frage auf,
"Ist so etwas auch bei uns machbar?"
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Südkurier Singen 02.02.2011
Aktiv gegen Kinderarmut
Singen – Der neue Verein „Wir helfen Kindern“ hat bei seiner
Auftaktveranstaltung die Öffentlichkeit für das Problem der
zunehmenden Kinderarmut sensibilisiert. Rund 60 Gäste waren
zum Vortrag von Heinz Hilgers, dem Präsidenten des Deutschen
Kinderschutzbundes und langjährigen Oberbürgermeister von
Dormagen in den Bürgersaal gekommen.
Starke Impulse für den neuen Verein:
Beim Vortrag über Kinderarmut erzählte Heinz Hilgers (zweiter
von links), was eine Stadt zur Verbesserung der Kinderarmut tun
kann. Mit im Bild (von links) Wolfgang Heintschel, Bernd Häusler
und Udo Engelhardt. Bild: sgr
Er gab den Zuhörern zahlreiche Impulse, wie man der Kinderarmut begegnen
kann. Die besondere Situation in Singen, wo rund 19 Prozent der Kinder
unter 15 Jahren von Sozialgeld leben müssen, hatte zahlreiche Partner
vergangenes Jahr an einen runden Tisch gebracht. Daraus entstand im
Oktober 2010 der Verein „Wir helfen Kindern“, in dem die bestehenden
Angebote gebündelt werden sollen. „In Singen müssen 1250 Kinder in rund
750 Familien von Hartz-IV-Geld leben“, erläuterte der zweite Vorsitzende
Udo Engelhardt zum Einstieg. Man habe einmal alle Angebote aufgelistet, die
es schon gibt, aber es sei unbedingt notwendig, eine Anlaufstelle für betroffene
Familien aufzubauen.
In Dormagen, wo Heinz Hilgers (62) bis 2009 Oberbürgermeister war, geht
man die Sache bereits mit der Geburt von Kindern an. „Die Bezirkssozialarbeiter
besuchen die Familien nach der Geburt eines Kindes. Sie bringen sogar den
Antrag auf Elterngeld mit, um ihn dann mit den Eltern gleich auszufüllen“,
erzählte Hilgers. Bereits ab 1995 hatte Hilgers begonnen, in Dormagen ein
Netzwerk aufzubauen, in dem alle Beteiligten, die mit Familien zu tun haben,
eingebunden sind. Das „Netzwerk frühe Förderung für Familien“ umfasst dort
Arbeitsgemeinschaften zu den Bereichen Schule, Gesundheit, Sprachförderung,
Elternbildung oder Familienzentren, die von einer Lenkungsgruppe koordiniert
werden.
Schon vor Jahren hatten ihm Politiker wie Ursula von der Leyen Fördergelder
angeboten, doch er hatte abgelehnt, wollte kein Leuchtturmprojekt, das nach drei
Jahren kein Geld mehr hat. „Mir geht es darum, dass alle, die mit Kindern,
Jugendlichen und Familien arbeiten, miteinander vernetzt werden und auf der
Basis der Wertschätzung miteinander arbeiten“, betont Hilgers.
Hilgers plädiert dafür, dass alles, was man möglichst früh anfängt, kostengünstig
und von Erfolg gekrönt ist. So biete Dormagen schon allen Kindern ab vier Monaten
eine Garantie für einen Betreuungsplatz an. Wie Dormagen dies gestaltet, wurde in
einem Kurzfilm „So früh wie möglich Integration gestalten“ deutlich. So liegt die
Übergangsquote von der Grundschule auf die Hauptschule in Dormagen bei rund
5 Prozent, in Singen liegt sie bei rund 35 Prozent. Schulen in unterschiedlichen
Sozialräumen müssten dementsprechend passend ausgerüstet werden.
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Singener Wochenblatt 28.01.2011
Singen: Armut ist ein Pulverfass
Netzwerk „Wir helfen Kindern e.V. “ holt Heinz Hilgers
Kinderschutzpräsident Heinz Hilgers sieht
unsere Gesellschaft vor dem Armuts-Kollaps. swb-Bild: of
Der im letzten Oktober gegründete Verein „Wir helfen Kindern“
präsentierte sich am Donnerstag Abend erstmals mit einer Veranstaltung
der Öffentlichkeit – und holte gleich den Präsidenten des »Deutschen
Kinderschutzbund«, Heinz Hilgers nach Singen. Der Kinder-Lobbyist
sieht das Land durch die steigende Kinderarmut auf einem Pulverfass:
Im Jahr 2010 galten 2,5 Millionen der 14 Millionen Kinder in Deutschland
bereits als Arm und ihre Zahl hatte sich in den zehn Jahren zuvor verdoppelt.
Bis zum Jahr 2035 werde man – auch durch die demographische Entwicklung
– bei nur noch 10 Millionen Kindern rund 4 bis 5 Millionen Kinder haben,
die auf staatliche Unterstützung angewiesen sein werden. Dazu stellte Hilgers
eine provokante Frage: „Wer wird dann unsere Schulden bezahlen?“ Für ihn
bedarf es großer Anstrengungen, die ganze Gesellschaft vor dem Armuts-
Kollaps zu bewahren, wenn das überhaupt noch gelingt. »Die Bekämpfung
der Armut sollte bereits vor der Geburt eines Kindes beginnen“, ist seine
These und sieht hier auch Gynäkologen in der sozialen Pflicht. Er müsse
erkennen, welche sozialen Risiken mit einer Schwangerschaft verbunden
sind. Denn das Thema Kinder verlagere sich immer mehr in Bereiche der
Gesellschaft, die eher für Armut prädestiniert seien. „Wer nicht geboren
wurde, kann auch keine Kinder kriegen“ ist seine Antwort auf die »Reichen«,
die anderes im Sinn hatten, als für Nachwuchs zu sorgen, das räche sich nun.
Das Thema Kinderarmut müsste seiner Meinung nach auch längst die
Volkswirte in Rage bringen.
Wie nötig der neue Dachverband »Wir helfen Kindern« für die Stadt ist,
machten Bürgermeister Bernd Häusler und der stellvertretende Vorsitzende
des Netzwerks, Udo Engelhardt zur Begrüßung deutlich: Singen liegt mit
seinem Anteil von 19 Prozent Kindern, die auf staatliche Unterstützung
angewiesen sind an der Spitze im Land, das sind 1250 Kinder in 750
Familien, davon 450 allein erziehend. Bei den unter 7-jährigen Kindern
liegt der Anteil inzwischen bei 63 Prozent, was die Thesen von Heinz
Hilgers eindeutig unterstreicht.
Das Netzwerk „Wir helfen Kindern“, in dem fast alle Vereine aus der Stadt
zusammengefunden haben, braucht weiter Helfer, sagte der Vorsitzende
Wolfgang Heintschel zum Abschluss.
Denn die Armut ist ein Pulverfass für die Stadt.
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